1. Erbfolgekrieg
(395 n.G. - 427 n.G. / 189 v.D. - 157 v.D.)
Das Ende des Hauses Thibor
Als im Jahre 196 v.D. (388 n.G.) Rondulo IV zum König gekrönt wurde, schien das Ende des Hauses Thibor in weiter Ferne zu liegen. Obwohl erst 23 war er verheiratet und hatte bereits 3 Söhne, zudem 4 jüngere Geschwister, 3 davon Brüder, mehrere Onkel und viele weitere mehr oder weniger enge Verwandte, das Haus schien immer noch zu prosperieren.
Zwar war nach dem Tode König Widumirs im Jahre 303 v.D. (281 n.G.), der seine Geschwister überlebt hatte und nach einer Verletzung bei einem Turnier in jungen Jahren zeugungsunfähig war, ein offener Disput unter allen möglichen auch weit entfernt Verwandten um die Nachfolge ausgebrochen, der das Land für 2 Jahre ohne rechtmäßigen Herrscher bleiben ließ, vom letztendlich neuen König Thiborcio XII, einem Vetter zweiten Grades Widumirs, ein Erlass verfasst worden, der zukünftig alle Verwandten aus der Erbfolge ausschloss, deren Verwandtschaft über mehr als zwei Generationen von dem dahingeschiedenen König entfernt war, doch auch innerhalb der Grenzen dieses Erlasses war das Haus Thibors scheinbar zahlreich genug, um die Nachfolge zu sichern.
Aufgrund des seit Jahrhunderten andauernden Friedens waren Ritterturniere in vielen Herzogtümern ein wichtiger Bestandteil des höfischen Lebens geworden und es gab etliche unterschiedliche Formen, die mehr oder weniger gefährlich waren. Im Jahre 194 v.D. (390 n.G.) kam es zu einem großen Unglück, als bei einem Turnier der jüngere Bruder und der König des Onkels im Tjost gegeneinander gelost wurden und beide nicht zurückweichen wollten. Die Lanze des Onkels brach wie erwünscht beim Aufprall auf den Schild, doch die Überreste der Lanze bohrten sich durch eine Lücke in der Rüstung in den Hals seines Neffen. Der Aufprall war so heftig, dass der Onkel aus dem Sattel und über den Tilt geschleudert wurde, direkt unter die Hufe des sich vom Geruch des Blutes aufbäumenden Pferdes und beide erlagen noch auf dem Tjostplatz ihren schweren Verletzungen. Doch dies war erst der Auftakt einer beispiellosen Serie von Unglücken.
Ein Jahr später brach eine Seuche in der Stadt Thibor aus, die auch die Königsburg nicht verschonte und der ein weiterer Bruder, ein Onkel und mehrere andere Verwandte zum Opfer fiel. Rondulo ließ seine 3 älteren Söhne mit einem Schiff in Sicherheit bringen, doch dieses geriet in einen Sturm und lief auf ein Riff. Nur wenige der Personen an Bord konnten gerettet werden, bevor das Schiff von den Wellen zerstört wurde und die anderen in den Tod riss.
Als Rondulos hochschwangere Frau Clematina die Nachricht erhielt, brach sie zusammen und erlitt eine Frühgeburt, die weder Mutter noch Kind überlebten. Rondulo war von diesem Schicksalsschlag tief getroffen und er ließ in seinem Zorn den Hohepriester des Keros hinrichten, den er für diese Häufung von Unglücksfällen verantwortlich machte. Dies machte ihn beim Volk jedoch äußerst unbeliebt und es kam zu einem Aufstand, der blutig niedergeschlagen wurde.
Der neue Hohepriester verurteilte Rondulo für diese Taten, vergab ihm jedoch aufgrund der tragischen Umstände und gebot ihm, Buße zu tun, um die Götter wieder milde zu stimmen. Rondulo begab sich daraufhin auf eine Pilgerfahrt nach Wetzenstein, um den Weißkopf zu sehen und dem Kerosschrein an seiner Flanke einen Besuch abzustatten. Seinen jüngsten Sohn, der nicht an Bord des gesunkenen Schiffes gewesen war, und seinen jüngsten Bruder nahm er mit. Auf der Reise erreichte ihn die Nachricht, dass einer seiner Söhne den Schiffsuntergang überlebt hatte und dies bestätigte ihn in seinem Glauben, das Richtige zu tun.
Doch auf dem steilen Weg mit den engen Kehren, der zu dem Kerosschrein am Weißkopf führte, kam es zum nächsten Unglück und der Wagen mit seinem Bruder und seinem Sohn stürzte in den Abgrund und riss beide in den Tod. Daraufhin kehrte er um, ohne den Schrein besucht zu haben und reiste nach Talios, um dort seinen Sohn aufzunehmen, der das Schiffsunglück überlebt hatte, doch zu seinem Entsetzen war dieser zwar am Leben, jedoch zu lange unter Wasser gewesen und nicht mehr bei Verstand.
Nun war Rondulo so betrübt und verzweifelt, dass er die Götter verfluchte und sich von ihnen abwandte. Der Hohepriester des Keros versuchte den König nach seiner Rückkehr davon zu überzeugen, dass er damit alles nur noch schlimmer machen würde. Offensichtlich hatte Achios, der Gott des Chaos, seine Hände im Spiel und man müsste alles daran setzen, den Achiospriester zu finden, der zweifellos hinter all dem steckt und dafür wäre die Hilfe Keros und der anderen Götter unerlässlich, doch Rondulo war taub für diesen Rat. Seine Brüder waren tot, seine Söhne ebenso bis auf einen, der nur noch ein sabbernder Idiot war, was sollte noch schlimmer kommen?
Rondulo zog sich zurück und in den nächsten Jahren starben alle weiteren Verwanten, die noch als Nachfolger in Frage gekommen wären, bei den irrwitzigsten Unfällen. Ein Onkel wurde in Vollrüstung vom Blitz erschlagen, ein Vetter brach sich beim Sturz auf einer Treppe den Hals, ein weiterer Vetter erstickte an einem Kirschkern, ein anderer Verwandter schnitt sich in den Finger und starb an Wundbrand, das Unglück nahm kein Ende bis 189 v.D. (395 n.G.), nach den Kriterien des Erlasses Thiborcios XII, nur noch der dem Wahnsinn nahe Rondulo und sein verstandloser Sohn übrig geblieben waren. Rondulo stieg auf den höchsten Turm der Burg, erwürgte seinen Sohn und sprang von den Zinnen in den Tod. So endete das Haus Thibor.
Diplomatie versagt
Der Hohepriester hatte recht gehabt, Urheber der beispiellosen Unglücksserie, die mit Zufall nicht mehr zu erklären ist, war ein Achiospriester, einer der Stärksten, den Rondland je gesehen hatte. Doch auch dieser hatte nicht mit dem Ausmaß an Chaos gerechnet, das er letztendlich verursacht hatte und anstatt einer erhofften Belohnung fand auch er in den Kriegswirren, die folgen sollten, den Tod. Achios hingegen war mit dem Ausgang sicherlich höchst zufrieden.
Während sich die Nachricht des Todes des Königs im Land ausbreitete, überlegte man an vielen Stellen, wie man nun vorgehen sollte und kam zu unterschiedlichen Schlüssen. Während die einen so schnell wie möglich einen neuen König haben wollten, um das Werk fortzuführen und das Reich weiter gedeihen zu lassen, sahen die anderen eine Gelegenheit, ihre eigene Position zu verbessern. Nicht jeder war mit der unumstrittenen Vormachtstellung Thibors zufrieden und vor allem Herzog Wensel II von Salania wollte sich nicht mehr einfach dem Herzog von Thibor unterordnen.
Im Vertrag von Armadur war festgelegt worden, dass Rondland von den Nachfolgern Thiborcios I regiert werden sollte und jeder diese Herrschaft anerkennen müsse. Doch Salania bestand darauf, dass mit Nachfolger ein Mann aus der Blutlinie Thiborcios zu verstehen sei, eine Auslegung, die von Thibor heftig bestritten wurde. Doch lenkte man ein und erklärte, dass durch Heirat im Laufe der Jahrhunderte viele Häuser Thibors durch Blut mit Thiborcio verbunden seien und es auch noch etliche weiter entfernte Verwandte des dahingeschiedenen Königs gab, die von der Unglücksserie nicht betroffen gewesen waren, doch Wensel erklärte, dass diese alle durch den Erlass Thiborcio XII von der Thronfolge ausgeschlossen wären. Es gäbe auch in den Blutlinien anderer Herzöge durch Heirat Verbindungen zu Thiborcio und der neue König sollte aus einem Haus des Hochadels stammen und man würde sich nicht einem König aus einem untergeordneten Haus Thibors beugen. Auch der Einwand, der neue König würde ja zuvor Herzog von Thibor werden und somit dem Hochadel angehören, wurde von Wensel nicht akzeptiert.
So kam es, dass im Jahre 188 v.D. (396 n.G.) zum ersten Mal ein großer Rat einberufen wurde, zu dem alle Herzöge mit großem Gefolge anreisten und der in Sintemala abgehalten wurde. Für Thibor reiste dabei der neue Herzog Todor I an, der erst einen Monat zuvor gekrönt worden war und der zuvor Graf von Buchenberg gewesen war, ein Haus, das durch mehrfache Heirat mit dem Hause Thibor nah mit dem Königshaus verwandt war.
Doch von Anfang an ließ Herzog Wensel erkennen, dass er Todor nicht als ebenbürtigen Verhandlunspartner ansah und sein Königtum niemals anerkennen würde, er strich jedoch immer wieder die Bedeutung seines Herzogtums hervor und erwähnte mehrfach seine eigene Abstammung von Thiborcio durch Heirat. Er pochte darauf, dass der Vertrag von Armadur durch den Tod Rondulos IV seine Gültigkeit verloren hätte, da er sich auf das Haus Thibor bezogen hätte und keinen König aus dem Hause Buchenberg vorgesehen hätte. Viele andere Herzöge schlossen sich dieser Meinung an, während andere die Auslegung als gewagt interpretiert bezeichneten, da der Vertrag von Armadur eindeutig vorsah, dass der Herzog von Thibor König von Rondland sein solle.
Während also die einen einen neuen Vertrag forderten, der sich an den gegebenen Umständen orientieren sollte, sahen die anderen keinerlei Notwendigkeit dafür und pochten darauf, im Interesse des Reichs zu handeln. Doch je länger sich die Verhandlungen hinzogen, desto unversöhnlicher standen sich die Parteien gegenüber. Die Verhandlungen fanden ein jähes Ende, als eines Morgens Herzog Todor I mit mehreren tiefen Stichwunden und einem Dolchheft, das aus seinem Munde ragte, gefunden wurde neben einem Zettel, auf dem stand, dass dies von nun an das Schicksal eines jeden sein würde, der sich unrechtmäßig zum König erheben wolle.
Es kam zu Beschuldigungen und bösen Worten, die schließlich in offenem Blutvergießen endeten, dem etliche der Leibwachen und Kämpfer der Delegationen zum Opfer fielen und man ging im Streit auseinander. So endeten die diplomatischen Bemühungen, einen Nachfolger König Rondulos zu bestimmen und von da an wurde mit dem Schwert in der Hand verhandelt.
Der Krieg beginnt
Schon während der Verhandlungen hatten sich die 16 Herzogtümer in zwei Lager gespalten, das eine stand hinter Thibor und dem Vertrag von Armadur, das zweite unterstützte die Haltung Salanias. Auf der Seite Thibors standen Adelstein, Talios, Rabelsburg, Armadur, das hinter dem Gründungsvertrag stand, der auf ihrem Boden geschlossen worden war, Sintemala, das lange Zeit unentschieden war und sich durch den Mord an Herzog Todor I von Salania abwendete und überraschenderweise Vengard. Auf der Seite Salanias standen Beros, Berania, Harming, Tamor, Wetzenstein und Nifelwald. Unentschieden waren Ermest, das weder die gottesfürchtigen Thiborianer noch die arkanen Salanier offen unterstützen wollte und Oberstein, dass sich generell sehr neutral verhielt, da es das bevölkerungsärmste Herzogtum war.
Doch zu Beginn scheute man noch vor offenen Kampfhandlungen auf dem Gebiet Rondlands zurück, stattdessen verfolgte der neue Herzog Thibors, Tobald I, der jüngere Bruder des ermordeten Todor, zunächst einen anderen Plan, zu dem ihm seine Berater drängten, den Tobald wollte zunächst Rache für seinen Bruder, da aber Salania auf der anderen Seite des Kontinents lag und man sich daher quer durch die Unterstützer Salanias hindurch hätte kämpfen müssen und gleichzeitig offen für Angriffe aus Nifelwald gewesen wäre, erschien ihnen ein anderer Plan sinnvoller.
Anstatt sich in einen verlustreichen Krieg mit ungewissem Ausgang zu stürzen, hoffte man, doch noch eine Mehrheit der Herzogtümer auf die Seite Thibors zu ziehen und eine erneuten Rat mit erneuter Abstimmung abzuhalten. Das Verbrechen könnte man immer noch sühnen, wenn das Reich wieder geeint wäre. Man gab sich keiner großen Hoffnung hin, Ermest auf seine Seite ziehen zu können, war sich aber sicher, dass dies Salania ebenso wenig gelingen könnte. Oberstein war ein anderer Fall und man war sicher, dessen Neutralität aufheben zu können, wenn die Belohnung für dieses kleine, abgelegene und scheinbar arme Herzogtum nur hoch genug wäre.
Um dennoch zu einer absoluten Mehrheit zu kommen, fasste man den Plan, Stimmen außerhalb Rondlands zu suchen, wenn es keine innerhalb zu gewinnen gab. Dazu wollte man Berag überfallen, dessen weites, dünn besiedeltes, bewaldetes Hinterland erobern, als Herzogtum Rondland angliedern und sich seine Stimme in der Abstimmung sichern. So kam es, dass der Beginn des rondländischen Erbfolgekriegs auf dem Staatsgebiet Berags stattfand.
Man sammelte also genügend Truppen, die restlichen behielt man zurück, um die Grenzen gegen einen möglichen Angriff der Verbündeten Salanias zu verteidigen. In Berag nahm man davon zunächst wenig Notiz, da man annahm, dass sich die Truppen für einen Angriff auf Harming sammelten und bevor man merkte, dass sich der Angriff stattdessen gegen Berag richtete, war schon die Hälfte des Gebiets, einschließlich der größten Stadt im südlichen Berag, auf Rond Oberstein genannt, von Truppen Thibors unter der Führung Generals Kalumet von Steinstrand überrannt worden. Die Überlegenheit auf See brachte Berag in diesem Krieg im dicht bewaldeten Hinterland wenig, aber man brachte Truppen über die Flüsse ins Landesinnere, um sich zumindest nicht kampflos zu ergeben.
Kalumet besiegte das auf diese Weise aufgesplittete Heer in zwei Schlachten, eine östlich der Stadt Waldental und eine nördlich von Vierbrücken, so die Namen der Städte auf Rond. Zudem ließ er in regelmäßigen Abständen bei dem weiteren Vormarsch der Truppen die Flüsse mit Ketten abriegeln, um ein Eindringen von Schiffen ins bereits kontrollierte Gebiet zu verhindern. Das Land selbst war stark bewaldet und teilweise zerklüftet und hügelig und abgesehen von den wenigen Straßen für größere Truppen nahezu unpassierbar.
So kam es, dass die rondländischen Truppen in recht kurzer Zeit bis zu dem Hügelzug vorgedrungen waren, der das Hinterland von der eigentlichen Halbinsel Berag trennt. Hier kam der Vormarsch zum Erliegen, da Berag die wenigen Passagen über den Hügelzug erfolgreich abgeriegelt hatte, Berag hatte aber gegen die zahlenmäßige Überlegenheit der rondländischen Truppen keine Möglichkeit, Gebiete zurückzugewinnen. Auch die Hoffnung Berags, dass es Rondland auf Dauer nicht möglich sein könnte, seine zahlreichen Truppen zu versorgen, erwiesen sich schnell als Wunschdenken, da Talios nicht weit entfernt war.
Und so traf man sich schon nach wenigen Monaten im Jahr 187 v.D. (397 n.G.) in Talios zu Gesprächen und man einigte sich schnell und hielt die Ergebnisse im Vertrag von Talios fest. Berag verlor das gesamte Hinterland, im Gegenzug sagte Thibor ihm eine dauerhafte und ausreichende Versorgung mit Holz aus dem neu zu bildenden Herzogtum zu und zudem eine dauerhafte und immerwährende Nichtangriffsgarantie. Da Berag das Hinterland im Grunde nur zur Versorgung mit Holz genutzt hatte, war es mit diesem Ausgang letzendlich nicht unzufrieden, da das verbliebene Land nun viel einfacher zu verteidigen war.
Das neue Herzogtum wurde Immerforst genannt und die größte Stadt als Oberstein die neue Hauptstadt. Am Rand der bisherigen Kernstadt in beragschem Baustil wurde eine Herzogsburg gebaut und darum herum eine neue Stadt in rondländischem Baustil geplant. Zum neuen Herzog wurde der erfolgreiche General Kalumet ernannt und man nahm Immerforst in Rondland auf, was nach dem Vertrag von Armadur durch den Herzog von Thibor geschehen konnte, sollte dieser noch nicht zum König gekrönt worden .
Doch entgegen dem Plan, das Hinterland von Berag als Herzogtum zu gewinnen, war der neue Herzog Kalumet I in der Frage unentschieden. man hatte den fähigsten General in die Schlacht geschickt, dabei aber nicht bedacht, dass das Haus Steinstrand ursprünglich von einer Insel im Salania-Archipel stammt. So stand es auch mit nun 17 Herzogtümern weiterhin 7 zu 7 mit nun 3 unentschiedenen Herzogtümern.
Die Zeit der Intrigen
Noch schreckten alle Parteien nach fast 400 Jahren Frieden vor offenen Kriegshandlungen auf rondländischem Boden zurück. Man hoffte immer noch, irgendwie genügend Stimmen auf seine Seite ziehen zu können, um eine erneute Abstimmung zu gewinnen, immerhin fehlte beden Seiten nur 2 Stimmen. Und man hoffte, den Grund für den Streit anders beilegen zu können.
Aus Sicht Thibors war der Grund für den Streit eindeutig Herzog Wensel II von Salania. Zudem machte man ihn für den Tod Herzog Todors verantwortlich, auch wenn das nie bewiesen worden war. So warb man immer wieder Attentäter an, die Wensel töten sollten, doch seine Leibwache, verstärkt durch Magier, ließen jeden Versuch scheitern.
Gleichzeitig liefen die Agentennetze auf Hochtouren und Spitzel aller Herzogtümer überzogen das Land, vor allem in Oberstein wurde eine große Zahl eingeschleust, hatten doch immer noch beide Lager die Hoffnung, es auf die eigene Seite zu bringen. Dabei stellte man überrascht fest, dass dieses abgelegene Hochtal bei weitem nicht so rückständig und arm war, wie man glaubte. Der Kontakt mit den Zwergen Akhalad Fokals brachte Oberstein einen Level an Technologie, der dem Ermests kaum nachstand, und Zwergenstraßen durch das Gebirge sorgten für Handel mit Ermest und sogar Merab, in dem das niedere Haus Wolfengreif noch nicht einmal existierte, dessen spätere Heimat in den Ausläufern der Wolkenspitzen, wo die Straße von Oberstein endete, gehörte in dieser Zeit zum Hause Greifenstein.
Aber besonders ein Herzogtum litt in dieser Zeit unter den Machenschaften, das gerade erst gebildete Immerforst, das eigentlich eine leitende Hand nötig gehabt hätte, um sich zu konsolidieren. Zuerst versuchten beide Lager, Herzog Kalumet I auf seine Seite zu ziehen, als er sich jedoch als standhaft erwies, wurde er von Thibor kurzerhand beseitigt und als sein Sohn sich als gleichermaßen neutral erwies, wurde ihm dasselbe Schicksal zuteil und er wurde durch einen neuen Herzog ersetzt. Dessen Regentschaft währte jedoch zu kurz, um seinen Namen hier zu erwähnen und der neue Herzog war ein Gefolgsmann Herzog Wensels. So ging es bis ins Jahr 183 v.D. (401 n.G.) und die Ernennung zum Herzog von Immerforst kam einem Todesurteil gleich.
In diesen Jahren wuchs der Unmut im neuen Herzogtum und vor allem in den nördlichen, Berag näher gelegenen Landesteilen, kam es zu offener Rebellion, die jedoch in Oberstein ignoriert wurde. In dieser Zeit des Aufruhrs sendete der König von Berag, Antosio II seinen Neffen Adavor, um die Wirren zu Gunsten Berags zu nutzen. Dieser legte seinen Auftrag jedoch etwas anders aus, scharte die Aufständischen um sich und marschierte gegen Oberstein, das gerade seinen letzten Herzog bei einem 'tragischen Unfall' verloren hatte. Kurzerhand übernahm er die Stadt und rief sich selbst zum neuen Herzog aus.
Natürlich rief dies eine neue Truppenversammlung an dessen Grenze hervor, und man rückte von zwei Seiten gegen Oberstein vor, doch die beiden Heere trafen im Süden des Herzogtums aufeinander, beide angeführt vom 'neuen Hezog' des jeweiligen Lagers und anstatt gegen Herzog Adavor kämpften beide gegeneinander. Dies war die erste große Kampfhandlung der beiden verfeindeten Lager in dieser Auseinandersetzung, wieder auf dem Boden Immerforsts, und sie brachte zwei Ergebnisse. Das erste war, das Herzog Adavor I von Immerforst nun Zeit gewonnen hatte, um seine Herrschaft zu konsolidieren, das zweite, das die bisherige Zurückhaltung, was offene Kampfhandlungen betraf, nun abgelegt wurde.
Dies bedeutete jedoch nicht, dass die Intrigen beendet wurden. Herzog Wensel II erlebte die Nachricht von der Schlacht nicht mehr, da er schon einen Tag danach durch einen plötzlichen Krampfanfall im Badezuber ertrank. Sein Sohn Wensel III war jedoch nicht weniger unerbittlich, im Gegenteil. Er bereitete das Herzogtum und seine Verbündeten auf Krieg vor.
Das Jahr 182 v.D. (402 n.G.) brachte eine Welle an 'Unfällen', dass es als das Jahr der Attentäter in die Geschichte eingehen ließ, denn niemand glaubte mehr an einen Zufall. Der Herzog von Nifelwald starb bei einem Jagdunfall, durchbohrt von einem 'verunglückten' Pfeil aus einer Richtung, in der sich kein Mitglied der Jagdgesellschaft befunden hatte. Der Herzog von Vengard starb kurz darauf, als sich der Boden des hölzernen Abtritts an der Außenmauer löste, als er sich darauf setzte, und er in die Tiefe auf die fäkalienbesprenkelten Felsen stürzte. Der Herzog von Beros erstickte an einem Hühnerknochen, nachdem er seine Mahlzeiten aus Furcht nur noch alleine und zurückgezogen einnahm, der Diener, der das Essen serviert hatte, wurde nicht wieder aufgefunden. Der Herzog von Armadur brach sich bei einem Ausritt den Hals, als sich sein Pferd plötzlich aufgebäumt hatte. Der Herzog von Harming, der sich in seiner riesigen Stadt immer sicher gefühlt hatte, wurde plötzlich paranoid, da er in jedem Menschen einen potenziellen Attentäter sah, schloss sich in sein Zimmer ein, verweigerte aus Angst vor Giften die Nahrungsaufnahme und siechte dahin. Als der Winter anbrach starben schließlich die Herzöge von Oberstein, von Wetzenstein und der neue Herzog von Vengard innerhalb kürzester Zeit, als sie auf vereisten Außentreppen ihrer Burgen ausrutschten und in die Tiefe stürzten.
Das Jahr der Schlachten
All diese Morde und Intrigen hatten aber nur eines zur Folge: die Fronten verhärteten sich und keiner wäre nun noch bereit, die andere Seite zu unterstützen und auch die drei Herzogtümer, die sich bisher nicht entschieden hatten, blieben neutral. Da beide Seiten nun gezeigt hatten, dass sie wenig Skrupel hatten, fiel die letzte Zurückhaltung und das unausweichliche Ergebnis war Krieg.
Herzog Wensel III sammelte sobald die Witterung es zuließ im Frühjahr des Jahres 181 v.D. (403 n.G.) seine Verbündeten in Nifelwald und das größte Heer, das Rondland je gesehen hatte, brach in Richtung Thibor auf. Der neue Herzog von Nifelwald, Humbard IV, versuchte zwar Wensel dazu zu bewegen, zuerst Vengard anzugreifen, damit dieses östlich Nifelwalds gelegene Herzogtum nicht dort einfiel, sobald sich das Heer nach Norden Richtung Thibor bewegte, doch sein geringer Einfluss als Fünfzehnjähriger, der noch kein Jahr auf dem Thron gesessen hatte, und Wensels wilde Entschlossenheit, den Herzog von Thibor zu Fall zu bringen, ließ ihn vergebens bitten.
Zuerst zog das gewaltige Heer nach Rabelsburg und das kleine Herzogtum wurde in mehreren Schlachten verwüstet während das riesige Heer alle Nahrungsvorräte konfiszierte. Als Wensels Armee schließlich in Thibor einfiel, war Rabelsburg ein brennendes, hungerndes Land. Doch Thibor hatte die Zeit genutzt und mit Hilfe von Truppen aus Adelstein, Talios und Sintemala einen Verteidigungswall hinter der Grenze zu Rabelsburg errichtet während die Truppen aus Vengard, wie von Humbard befürchtet, sengend und brennend über Nifelwald herfielen.
Zwar war das Heer Wensels dem Tobalds zahlenmäßig überlegen, aber die Truppen Thibors waren als Königstruppen die am besten ausgebildeten, sie besetzten die Festungen und sie kannten das Terrain. Wensel belagerte zunächst einige kleinere Festungen, doch Thibor hatte Truppen im Hinterland zurückgehalten, die die Belagerungsarmeen immer wieder angriffen, zudem war die Zeit genutzt worden, um sämtliche verfügbaren Nahrungsmittel im Grezbereich in die Festungen zu schaffen und die Bevölkerung in den Norden zu evakuieren, so dass die Versorgung der Belagerer weit schwieriger war als die der Belagerten. Wensel zog daher sein Heer nach mehreren kleineren Niederlagen wieder zusammen, um sich auf die größte Festung zu konzentrieren und diese im Sturm zu erobern.
Es gelang, wenn auch unter großen Verlusten und Wensel hielt sich nicht lange damit auf, und ließ nur alle Nahrung zusammenraffen und sofort weiter nach Norden gegen die Stadt Thibor marschieren. Tobald hatte damit nicht gerechnet und sein Heer war nun zu verstreut, um große Gegenwehr zu leisten und Salania und seine Verbündeten fiel über die Bevölkerung Thibors her und auch viele der Evakuierten aus dem Grenzgebiet fanden nun den Tod.
In dieser Zeit nutzte der Herzog von Armadur die Gunst der Stunde und entsandte sein Heer nach Harming, um die größte und reichste Stadt Rondlands zu plündern. Er besiegte in mehreren kleinen Schlachten die verbliebenen Truppen und belagerte die riesige Stadt über mehrere Monate. In dieser Zeit brach dort großer Hunger aus, der Handel kam zum erliegen und Seuchen breiteten sich aus und viele Einwohner starben, doch die Stadt fiel nicht, ganz im Gegensatz zu Nifelheim, der Hauptstadt Nifelwalds, das von den Truppen Vengards geschliffen, geplündert und gebrandschatzt wurde, danach richteten sie sich nach Norden.
In Thibor waren indessen die Truppen Wensels der Hauptstadt schon nahe gekommen, als sie auf erneuten Widerstand stießen. Tobald hatte seine verbliebenen Truppen in einen Halbring um die Hauptstadt versammelt und diese hielten Wensels Armee nun auf. Wieder kam es zu Belagerungen, wieder versuchte Wensel es mit der Taktik, sein Heer gegen eine Festung zu werfen, um den Weg zu erzwingen, da er für lange Belagerungen nicht gut genug versorgt war.
Doch diesmal war Tobald vorbereitet und zudem war die Verteidigungslinie deutlich kürzer als zuvor an der Grenze. Als Wensel die Festung Geierfels angriff, kamen Truppen aus allen Richtungen zu Hilfe und die Schlacht zog sich über Tage. Und gerade, als die Truppen Salanias die Oberhand zu gewinnen schienen, trafen die Truppen Vengards ein und fielen ihnen in den Rücken. Das Heer wurde vernichtend geschlagen und die Anführer und Herzöge der Verbündeten Salanias, die überlebt hatten, wurden in das Verließ der Burg Thibor geworfen. Herzog Wensel III aber wurde enthauptet, sein Kopf wurde geteert und als Warnung mit einem kleinen Häuflein überlebender Soldaten zurückgeschickt mit der Anweisung, ihn in allen Herzogtümern, die ihn unterstützt hatten, vorzuzeigen.
So schien der Krieg beendet und die Heere der Verbündeten Salanias besiegt, doch von einem Frieden war man noch weit entfernt.
Der Krieg köchelt weiter
In der Schlacht um Geierfels fielen die Herzöge Hombard IV von Nifelwald und Adalardo von Beros, Wensel III wurde enthauptet und die Herzöge von Tamor, Wetzenstein, Berania und Harming saßen in Thibors Verließen. Auch der Herzog von Adelstein fiel in der Schlacht. Die Soldaten, die den geteerten Kopf Wensels zurück nach Salania brachten und dabei durch alle Verbündeten Herzogtümer außer Harming kamen, brachten die schlimmen Nachrichten mit.
Doch es brachte nicht das von Thibor erhoffte Ergebnis. In Nifelwald bestieg Oggel VII den Thron und schwor blutige Rache für seinen Neffen und Großneffen und er sammelte ein Heer und zog gegen Vengard, noch bevor dessen Heer nach Hause zurückkehren konnte. Er zündete jedes Dorf auf seinem blutigen Weg an und plünderte jedes Haus. Sein Ziel war nicht die Burg Vengard zu belagern, sondern größtmöglichen Schaden anzurichten als Rache für das, was Vengard in Nifelwald angerichtet hatte.
Salania, Berania, Tamor und Wetzenstein sammelten unter dem neuen Herzog Poliver, dem jüngeren Bruder Wensels, ein Heer um die Belagerung der Stadt Harming zu brechen. Als das Heer Armadurs aufgerieben war, zog man weiter in das Herzogtum Armadur, und belagerte die gleichnamige Hauptstadt. Man sendete die Botschaft, dass man die Stadt verschonen würde, wenn Herzog Armino V sich in die Gefangenschaft der Belagerer begeben würde. Im Wissen, dass im Verließ Thibors die Herzöge Beranias, Tamors und Wetzensteins saßen, tat Armino wie gehießen, um sein Volk zu beschützen.
Doch Poliver war durch die Ereignisse grausam geworden und folterte Armino in Sichtweite der Stadt zu Tode, dann ließ er die Stadttore von außen verrammeln und solange Brandpfeile auf Armadur regnen, bis die Stadt in Flammen aufging und beinahe jeder darin verbrannte, bevor er wieder abzog. Die Truppen Beranias, Tamors und Wetzensteins verließen daraufhin den Heerzug, da sie das Schlimmste für ihre in Kerkerhaft sitzenden Herzöge befürchteten.
Und ihre Befürchtungen trafen ein. Als die Nachricht Thibor erreichte, war Tobald über die Gräueltat so erbost, dass er alle Gefangenen der Schlacht von Geierfels, Herzöge, Grafen und Offiziere, hinrichten und ihre Leichen mit Katapulten als Fischfutter ins Meer schleudern ließ. Anstatt dass sich nach dem Ende des Feldzugs also die Lage beruhigen würde, eskalierte sie immer weiter.
Die Truppen Vengards hatten inzwischen ihr Herzogtum wieder erreicht und das brandschatzende Heer Oggels gestellt und in einer offenen Feldschlacht unter großen Verlusten vollständig aufgerieben und Nifelwald verlor den dritten Herzog innerhalb von anderthalb Jahren. Die nächsten beiden Jahre wurden zu einer Zeit des Wundenleckens und Wiederaufbaus in den mehr oder weniger verheerten Herzogtümern Thibor, Rabelsburg, Vengard, Nifelwald, Armadur und Harming. In Immerforst baute Herzog Adavor eine funktionierende Verwaltung auf und konsolidierte seine Herrschaft weiter, Ermest und Oberstein sicherten ihre Grenzen und Talios, Adelstein, Sintemala, Beros, Berania, Tamor, Wetzenstein und Salania bauten neue Truppen auf. Die Fronten waren verhärteter denn je und Tobald sann auf Rache gegen Salania für die Verheerungen im eigenen Herzogtum, dem zerstörten Rabelsburg und dem Massaker von Armadur.
Der Krieg flammt wieder auf
Im Frühjahr des Jahres 178 v.D. (406 n.G.), 11 Jahre nach dem Tod Rondulos IV, war das Reich von einer Lösung der Erbfolge weiter entfernt denn je zuvor. Beide Lager standen sich unversöhnlich gegenüber und sannen auf Rache. Herzog Tobald von Thibor trachtete danach, Salania mit Zerstörung zu überziehen, Herzog Poliver von Salania wollte das Haus Buchenberg zerstören und Thibor dazu zwingen, einen neuen Vertrag zur Ordnung Rondlands zu formulieren.
Allerdings bröckelte Salanias Unterstützung. Die anderen Herzogtümer waren mit Polivers verhalten in Armadur höchst unzufrieden und ihnen war klar, dass jede Eskalation nur weitere Eskalationen hervorrufen würde. Das Verhalten Tobalds, die Gefangenen auf diese Weise zu entehren, enfachte jedoch ebenfalls ihren Zorn, insbesondere der Herzogtümer, die ihren Herzog auf diese Weise verloren hatten.
Als nun Tobald seine Verbündeten dazu aufrief, einen Heerzug gegen Salania zu unternehmen, folgten alle außer Rabelsburg, dass durch das Heer Wensels III so in Mitleidenschaft gezogen worden war, dass es nicht imstande war, Truppen auszuheben. Als das Heer sich in Armadur sammelte, rief Herzog Poliver von Salania seine Verbündeten ebenfalls zur Hilfe, doch nur Harming, dessen Belagerung Poliver beendet hatte, folgte dem Aufruf. Als das Heer Tobalds Richtung Salania aufbrach, gewährten die ehemaligen Verbündeten ihm freies Geleit und versorgten sie sogar, gegen gute Bezahlung, versteht sich.
Poliver fühlte sich, nicht ganz zu unrecht, hintergangen und tobte, dennoch stellte er sich mit den Truppen Salanias und Harmings, unterstützt durch Magier, dem überlegenen Heer Tobalds und der 6 Herzogtümer. Die Schlacht war fürchterlich und tobte scheinbar endlos, doch die arkane Magie Salanias erwies sich als sehr mächtig und dezimierte die Truppen Tobalds immer mehr. Erst als es gelang, einige Attentäter in das salanische Lager einzuschleusen und die Verpflegung der Magier zu vergiften, konnte die Armee Tobalds endlich die Oberhand gewinnen.
Herzog Poliver, der sich auf den Schutz durch seine Magier verlassen hatte, stand plötzlich mitten in der Schlacht, fiel und wurde in Stücke gehackt. Das Heer Harmings floh und die Truppen Salanias wurden aufgerieben. Tobald setzte mit seinem stark dezimierten Heer seinen Angriff auf die Stadt Salania fort.
Als sich allerdings die Nachricht vom Tode Polivers und dem stark geschrumpften Heer Tobalds in den anderen Herzogtümern herumsprach, sammelten sich diese unter der Führung Harmings und zogen nach Salania, um Tobald und sein Heer zu stellen. Dieser zog derweil plündernd und brandschatzend durch Salania, darauf erpicht, das Herzogtum ebenso leiden zu lassen wie Thibor gelitten hatte. Schließlich kam er an der großen Stadt Salania an und legte einen weiten Belagerungsring an, stellte aber bald fest, dass die Belagerung einer Hafenstadt nur vom Lande her aussichtslos war.
Während man noch die weitere Vorgehensweise diskutierte, traf das Heer der Verbündeten Salanias ein und griff sofort das Heer Tobalds an, dass sich großräumig um Salania verteilt hatte und gegen die Stadt ausgerichtet war. Hatte schon die arkane Magie Salanias Tobalds Heer massiv zugesetzt, so lernten sie nun die Macht der Naturkräfte aus Beros richtig kennen und die stark verteilten, zahlenmäßig reduzierten Truppen konnten nichts entgegensetzen. Nun wurde das Angriffsheer Tobalds völlig aufgerieben und Tobald gefangen genommen.
Salania hatte nun schwere Zerstörungen erfahren müssen und hatte seine mächtigsten Magier und seinen Herzog verloren und forderte die Übergabe Herzog Tobalds von Thibor, um an ihm ein Exempel zu statuieren. Die Herzogtümer, deren Herzöge von Tobald so schändlich behandelt worden waren, forderten dasselbe für sich. Doch der Herzog Uluf II von Harming entschied sich anders. Er nahm Tobald und die anderen überlebenden Herzöge der besiegten Armee mit nach Harming als ein Faustpfand für künftige Verhandlungen. Uluf wollte ein Ende des Krieges und hoffte, dass auch die anderen genug Leid, Tod und Zerstörung gesehen hatten.
Das Jahrzehnt der Scharmützel
Uluf II von Harming brachte Tobald von Thibor und die anderen Herzöge wohlbehalten nach Harming und quartierte sie, unter Bewachung versteht sich, in seinem Schloss ein. Er war der Meinung, dass der Stand der Gefangenen berücksichtigt werden müsse und dass es für mögliche zukünftige Verhandlungen abträglich wäre, sie in einem kalten, feuchten Kerker anzuketten. Womit er jedoch nicht gerechnet hatte war das Heer an Spitzeln und Attentätern, das in dieser Auseinandersetzung unterwegs war und wieviele Herzogtümer inzwischen Tobald tot sehen wollten.
Es dauerte keinen Monat, da fand man alle Gefangenen tot in ihren Zimmern, offensichtlich vergiftet, nur Tobald war, offensichtlich bei lebendigem Leib, verstümmelt und entmannt worden und er starb mit seinem eigenen Penis als Knebel. Selbst strengste und peinlichste Befragungen der Diener brachten kein Ergebnis, aber ein Friedensschluss schien wieder weiter entfernt denn je.
Die folgenden Jahre sahen keine großen Feldzüge und ausufernden Schlachten, was aber nicht bedeutet, dass es friedlich war. Es kam immer wieder zu Grenzgeplänkeln und zu Raubzügen, manchmal gerieten kleine feindliche Heere aneinander und es kam zu Scharmützeln. Auch wenn es für die Betroffenen ziemlich gleichgültig war, ob nur sie oder auch eine große Zahl anderer betroffen war, so war es doch verglichen mit den beiden Jahren der großen Heerzüge verhältnismäßig ruhig.
Weniger ruhig war es allerdings auf der Ebene der Spitzel und Attentäter, das Jahrzehnt, das auf Tobalds Heerzug nach Salania folgte, war geprägt von seltsamen Todesfällen in vielen Häusern, nicht nur der Herzöge selbst, und Falschmeldungen, die zu immer neuen diplomatischen Verwicklungen führte. Bis zum Ende des folgenden Jahrzehnts wurden einige Herzogtümer von anderen Häusern regiert. Auf der anderen Seite kam es auch teilweise wieder zu vorsichtigen Annäherungen zwischen verfeindeten Herzogtümern.
Dennoch gab es insgesamt keine Änderung am Status quo, die beiden Lager hatten sich nicht verändert, nur die Beziehungen hatten sich teilweise mit der Änderung der beteiligten Häuser geändert. Allerdings war inzwischen nicht mehr wirklich klar, wer tatsächlich hinter den Attentaten und den Agententätigkeiten steckte, durch den häufigen Wechsel der Herzöge und ihrer Vertrauten war es nicht ausgeschlossen, dass es inzwischen ein Heer von Attentätern und Spitzeln gab, deren ursprüngliche Auftraggeber längst nicht mehr lebten und die unkontrolliert Befehle ausführten, die schon lange überholt waren.
Das Ende der Attentäter
Langsam wurde allen klar, dass die größte Gefahr nicht mehr von Heeren und Truppen ausging, sondern von den Attentätern und Spitzeln, die im Auftrag von Männern unterwegs waren, die ihnen nicht mehr länger Befehle erteilen konnten. Das größte Problem dabei war, dass viele auf persönlichen Befehl handelten und keiner außer dem, der den Befehl erteilt hatte, überhaupt wusste, wer wo gegen wen eingesetzt worden war. In modernen Worten war dies eine tickende Zeitbombe, die zu jeder Zeit an jedem Ort hochgehen konnte.
In beiden Lagern kam man gleichzeitig zu zwei Schlüssen, erstens, dass der Wahnsinn aufhören und zweitens, dass man die Attentäter ausfindig und unschädlich machen musste. Alle bekannten Spitzel wurden zurückgerufen, um sie zu Hause zur Gegenspionage einzusetzen. Und es wurden keine weiteren Attentäter mehr ausgeschickt.
Dies wiederum hatte zwei Folgen. Zum einen wurden tatsächlich etliche Attentäter aufgespürt und bei ihren Befragungen wurde klar, dass sie teilweise von Herzögen ausgesandt worden waren, die schon vor Jahren gestorben waren und dennoch ihren Auftrag weiter verfolgten der sich in manchen Fällen nicht gegen eine bestimmte Person richtete, sondern gegen jeden, der den Titel des Herzogs in dem jeweiligen Herzogtum trug. Zum anderen war man nun mehr oder weniger blind für alles, was in den Herzogtümern des anderen Lagers passierte.
Man muss die Arbeit der Spitzel bei der Suche nach den Attentätern wirklich hervorheben. Männer und Frauen, die teilweise seit Jahren unerkannt in den jeweiligen Herzogtümern gelebt hatten, die es fertig gebracht hatten, sich unerkannt einem Herzog zu nähern und ihn auszuschalten, ohne dabei selbst erkannt zu werden, und dabei in manchen Fällen nicht nur einmal erfolgreich gewesen zu sein, ausfindig zu machen ist eine tatsächlich unglaubliche Leistung. Allerdings wurden nicht alle Attentäter erwischt, wie man später noch leidvoll erfahren musste.
Es dauerte bis zum Jahr 166 v.D. (418 n.G.), bis der größte Teil der Attentäter gefunden und ausgeschaltet worden war, aber gleichzeitig nutzte man die Abwesenheit der gegnerischen Spitzel dazu, sich wieder für größere Unternehmungen vorzubereiten. Und so trat der Erbfolgekrieg bald darauf wieder in eine neue Phase.
Das Jahr der Zerstörung
Das Frühjahr des Jahres 165 v.D. (419 n.G.) war geprägt durch Mobilmachungen in fast allen Herzogtümern. Beide Lager hatten die Zeit, in der die Spitzel in heimischen Gebieten nach Attentätern gesucht hatten, dazu genutzt, um einen erneuten, wie beide hofften endgültigen, Feldzug gegen die andere Seite vorzubereiten. Wie schon zu Beginn des Krieges sammelte auch der neue Herzog von Salania, Ruppert I, ein Vetter zweiten Grades Polivers und nicht minder kaltherzig, die Truppen seiner Verbündeten in Nifelwald, dem Thibor nächstgelegenen Herzogtum seines Lagers. Der neue Herzog von Thibor hingegen, Greger I aus dem Hause Thibor, über den Urgroßvater mit dem letzten König Rondulo IV verwandt und nach dem Erlass Thiborcio XII eigentlich nicht erbberechtigt, sammelte die Truppen der königstreuen Herzogtümer wieder in Armadur.
Wie bereits erwähnt schloss der Erlass zu weit entfernte Verwandte eigentlich aus der Erbfolge aus, doch stammte dieser aus der Zeit lange bevor die Königslinie so drastisch dezimiert und letztendlich beendet wurde. Nachdem das Haus Buchenberg durch Attentäter quasi ausgelöscht worden war, kamen die königstreuen Herzöge zu dem Schluss, dass der Sinn des Erlasses gewesen war, die Erbfolge zu sichern und nicht zu viele mögliche Anwärter zuzulassen, nicht die Erbfolge unmöglich zu machen. Man entschied, dass der Erlass nicht komplett abgeschafft, aber zumindest ausgesetzt wurde, bis der neue König im Amt und seine nächste Familie ausreichend zahlreich wäre, um die weitere Erbfolge zu sichern und Greger wurde ein Jahr zuvor zum neuen Herzog von Thibor gekrönt. Er war nicht einmal der nächste lebende Verwandte Rondulos gewesen, aber er war unumstrittenes Oberhaupt eines umfangreichen Zweigs der Familie und dadurch der anscheinend beste Kandidat.
Da nun beide Lager zur selben Zeit ein großes Angriffsheer möglichst nahe der Hauptstadt des jeweiligen Gegners versammelten, war die Katastrophe vorprogrammiert. Man hatte keinerlei Skrupel auf dem Weg alles zu plündern, zu brandschatzen und zu zerstören und beide Heere trafen auf wenig Gegenwehr, da die meisten Truppen zum Angriff abgezogen worden waren. Herzogtümer, die sich gerade langsam von den Gräueln der früheren Heerzüge erholt hatten und noch unter dem Chaos der Attentate des Jahrzehnts der Scharmützel litten, wurden erneut und noch grausamer als zuvor der Zerstörung preisgegeben. Selbst Herzogtümer, die bisher verschont geblieben waren, weil sie gar nicht auf dem direkten Weg der Heere lagen, waren betroffen, denn als klar war, dass der Gegner wenig Möglichkeiten der Gegenwehr hatte, splittete man die Heere auf und ließ sie getrennt marschieren, um größtmöglichen Schaden anzurichten.
Beiden Anführern war dabei lange Zeit nicht klar, dass ihre eigenen Herzogtümer dasselbe Schicksal erlitten, dass sie denen des verfeindeten Lagers angedeihen ließen. Beide nahmen zunächst an, der Gegner hätte sich so sehr auf das Auffinden der Attentäter konzentriert, dass sie die Verteidigung vernachlässigt hätten. Erst als nach vielen Wochen Kunde von den Heerzügen des jeweiligen Gegners eintraf, beendete man das blutige Werk. Beide sammelten ihre Heere wieder und kehrten um, ohne die Haupstadt des anderen erreicht zu haben.
Beide eilten nun dem Gegner entgegen und je näher man sich kam, desto stärker stellte man sich auf die Entscheidungsschlacht ein. Beide Lager hatten von der Zerstörung und dem Gräuel gehört, dass in ihren Herzogtümern angerichtet worden war. Der Hass auf die jeweils andere Seite war riesig und es war klar, dass diese Schlacht unerbittlich geführt werden würde. Es würden keine Gefangene gemacht werden, dies war beiden klar. Die Heere trafen schließlich im Grenzgebiet von Sintemala und Nifelwald aufeinander und sofort hieben beide Seiten mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln auf den anderen ein. Salania hatte allerdings sowohl Magier, vor allem Kampfmagier, der arkanen Kräfte als auch Druiden und Beschwörer der Naturkräfte zur Verfügung und gewann bald die Obermacht auf dem Schlachtfeld.
Doch dann kam eine von beiden Seiten absolut unerwartete Wendung. Gerade, als Salania die Oberhand zu gewinnen schien und schon wie der sichere Sieger aussah, traf im Rücken der salanischen Truppen ein Heer aus Ermest ein, angeführt von Herzog Iseldor II, bestehend aus Nahkämpfern mit verzauberter Rüstung, Bogenschützen mit verzauberten Bögen, einer Menge Thaumaturgen und einigen fortschrittlichen Ballisten. Beide Seiten waren gleichermaßen überrascht und zunächst wusste keiner, auf wessen Seite sie kämpfen würden. Zum Entsetzen Rupperts griffen sie ihn an und die salanischen Kämpfer, gerade noch im Gefühl des sicheren Sieges, sahen sich plötzlich von zwei Seiten angegriffen.
Es war zwar dennoch ein harter, langer Kampf mit vielen Verlusten, doch die vereinigten Heere Thibors mit seinen Verbündeten und Ermests siegten letztendlich und keiner ihrer Herzöge war tödlich verwundet worden. Die Salanische Seite hatte nicht so viel Glück, nur die Herzöge aus Nifelwald, Beros und Berania entkamen dem Schlachtfeld lebend und flohen mit den überlebenden Truppen nach Nifelheim.
Es stellte sich heraus dass der Sinneswandel Ermests seinen Grund ausgerechnet in den Folgen der vielen Attentate hatte. Auch in Vengard waren mehrere Herzöge im vergangenen Jahrzehnt Meuchelmorden zum Opfer gefallen und der jetzige Herzog Lodewig I entstammte einem Seitenzweig des Hauses Vengard, das durch mehrere Heiraten mit dem Haus Ermest verbunden war und seine Frau war eine Nichte Iseldors. Nach dem blutigen Angriff der salanischen Verbündeten auch auf Vengard hatte diese ihren Onkel um Hilfe gebeten und er war mit einem Heer gekommen. Die salanischen Truppen waren aber schon abgezogen, doch er war ihnen gefolgt.
Die Freude über den Sieg hielt jedoch nicht lange, als man der Verwüstungen durch das salanischen Heer nach der Rückkehr gewahr wurde, im Bewusstsein, dass man selbst ebenso grausam und brutal vorgegangen war. Doch immerhin brachte diese Brutalität beide Seiten zur Besinnung und ihnen wurde bewusst, dass man auf diese Weise das gegnerische Lager weder überwältigen noch überzeugen würde können.