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1. Good Bye Aporvar - Welcome Batai

Die Helden stammen aus der Hafenstadt Aporvar und haben alle ihre persönlichen Gründe diese Stadt schnellstmöglich zu verlassen. Ihr gemeinsames Ziel ist die große Stadt Batai, um dort unterzutauchen.
Das Schicksal und verschiedene Verbindungen untereinander macht sie zu einer kleinen Gemeinschaft, die sich allerdings erst zusammen raufen muss...

 

1. Spieltag (11.06.2026)

(aufgezeichnet von Tamara Oleander Daylen)

Wir sind vor drei Tagen mit dem Schiff aus Aporvar in Batai angekommen.
Wir, das bin zum einen ich: Tamara mit den (erfundenen) Beinamen Oleander (weil giftig) und Daylen (klingt etwas mystisch und nach Ly'ten) und macht mich damit durch eine schöne Abkürzung zu Lady TOD. In Aporvar trotz meiner jungen Jahre durchaus berühmt berüchtigt durch meine "Weissagungen", die hin und wieder durch geeignete Kräutermischungen unterstützt werden. Zum anderen Kranir, so übersehbar, wie ich auffällig bin, ein eher stiller Zeitgenosse, den ich schon länger kenne und der mich immer wieder irritiert, in dem er wie aus dem Nichts auftaucht. Ich mag solche Überraschungen nicht, schließlich bin ich Wahrsagerin. Dann ist da noch der junge Mann mit dem roten Umhang, der sich Will Scharlach nennt, ich kenne ihn und ich bin mir sicher, dass er nicht weiß warum und woher und das ist auch besser so. Er ist auf der Flucht (wie wir alle irgendwie), warum er dann einen auffälligen roten Umhang trägt, hat sich mir nicht erschlossen, ich habe mich am Anfang ersteinmal sehr unauffällig verhalten, ok, Kranir ist da nicht zu toppen! Und zu guter Letzt ein großer, kräftiger und schon etwas älterer Kämpfer, der sich selbst Borogarn, der Starke nennt, auch wenn er hin und wieder als "der Dumme" betitelt wird. Aber das sagt man ihm besser nicht ins Gesicht, wenn man sich keine blutige Nase holen will. Ihn kannte ich bisher nicht, aber auf der Überfahrt hat er sich doch als charmanter Beschützer rausgestellt, als er mir zu sehr aufdringliche Kunden/Verehrer vom Leib gehalten hat und das ohne hinterher eine Belohnung zu wollen, so wie einen Kuß oder mehr, wie ich es in meinem Milieu durchaus gewohnt bin. Ein Typ, den man lieber auf seiner Seite eines Kampfes hat...!

Da wir alle recht mittellos und überstürzt aus Aporvar aufgebrochen sind, fing ich sofort an, Pläne zu schmieden, um an Geld zu kommen und wurde dabei im Hafen der Stadt auf folgenden Sachverhalt aufmerksam:
Da ist dieser Gewürzhändler, Ainger Strowars, der mit diesen sündhaft teuren Gewürzen aus Nerfan handelt. Ein kleines Säckchen davon sind locker 10 GS wert. Ich habe genau beobachtet, wie die Einkäufe bei ihm ablaufen: Ein Kunde kommt, zieht mit Ainger durch das Kontor und kostet ein Gewürz. Schmeckt ihm das Gewürz, so lässt er in der Regel eines, manchmal aber auch zwei oder drei Säckchen dieses Gewürzes auf den Verkaufstisch legen. Die Säckchen sind äußerlich genau gleich (aus hellem Leinenstoff, in einer bestimmten Größe, und nur durch eine farbige Markierung lassen sie sich unterscheiden). Zwei bewaffnete Diener des Gewürzhändlers behalten die ganze Sache im Auge. Schlussendlich wird um den Preis der solchermaßen bereitliegenden Ware gefeilscht. Wird man sich anschließend einig, so wandert eine nicht unbeträchtliche Summe zu Ainger, und der Kunde zieht mit den Gewürzen davon. Wird man sich nicht einig, so wandern die Säckchen zurück ins Kontor.
Mein Plan für den Coup:
Will tritt als Kunde auf, und ich als dessen schwangere Dienerin oder Frau. Der "Kunde" lässt eine ganz bestimmte Anzahl definierter Säckchen auf den Tisch laden und zieht dafür mit Ainger durch das Kontor. Die "Schwangere" bleibt dick und schweratmig am Tisch sitzen und langweilt sich. In Wahrheit bin ich natürlich gar nicht schwanger (musste man Borogarn aber nochmals erklären...), sondern führe in meinem Umhang/drapiertem Bauch gefälschte Gewürzbeutel mit genau diesen Markierungen mit mir. Sobald Ainger und seine Diener abgelenkt sind -dafür sind dann Borogarn und Kranir zuständig-, tausche ich diese mit den echten Gewürzbeuteln aus. Bei den späteren Verhandlungen wird man sich dann nicht einig, und zieht "ergebnislos" von dannen. Borogarn und Kranir stehen bereit, um ein oder mehrere Ablenkungsmanöver durchzuführen, oder um ggf. den Rückzug zu decken. Mögliche Ablenkungsmanöver sind: Der "Kunde" wirft etwas um, zwei weitere Gauner streiten sich lautstark vor dem Kontor des Händlers, ein weiterer Gauner "erkennt" den "Kunden" und beschuldigt diesen, ihm noch Geld zu schulden. Daraufhin wird Ainger wohl kaum Lust haben, die Verhandlungen noch weiter zu führen, zumal der "Kunde" nur eine Anzahlung leisten will.

So weit - so gut. Der Plan ist gut durchdacht, ist ja meiner…
… aber mit einer neuen Truppe klappt das noch nicht so im Zusammenspiel…

Wir wachen auf und haben einen Sack über dem Kopf und knien auf dem trockenen Boden und sind geknebelt und gefesselt und wie es scheint und dem Gemurmel zu entnehmen ist, von einer großen Gruppe zwielichtiger Gestalten umringt. 
Eine tiefe Stimme fragt, was wir uns dabei gedacht haben und lässt uns die Säcke abnehmen, das Gemurmel hat in dem Augenblick, als der Chef gesprochen hat, auch augenblicklich verstummt, hier gibt es wohl defintiv keine Unklarheiten in der Hierarchie. Wir sind umzingelt von finsteren Typen, der recht dickliche Mann, der Lord Fost genannt wird, hat auch noch 2 geladene Armbrüste neben sich liegen, die in unsere Richtung zeigen. 
Zunächst wird Will befragt, doch er verweist schnell auf mich. Da ich sofort merke, dass der Lord hier der Revierhirsch ist, schwenke ich von leichter Provokation auf Reue und Entschuldigung um, in seinem Revier ohne nachzufragen, gewildert zu haben. Der Hergang wird daraufhin reflektiert und es wird festgestellt, was falsch gelaufen ist: 

Auch wenn die Abstimmung zwischen dem Team nicht super geklappt hat, ist es doch die unbekannte Variable, hier in Form von Lady Foraie, der Tochter von Lord Fost, die den Plan ins Wanken bringt. Allein durch das Erscheinen im Kontor sorgt sie für Verwirrung, vor allem verdreht sie Borogarn die Augen und hat vermutlich auch mein wahres Ansinnen oder zumindest nicht echten schwangeren Zustand erkannt. Die Ablenkung draußen läuft insgesamt auch nur so lala, aber hat gereicht, damit ich einige Säckchen wie geplant austauschen konnte. Ja, meine Fähigkeiten kann ich gut einschätzen! Und als beim Rausgehen Will in mich reinrennt, kann ich die Situation auch gerade noch retten. Allerdings hatte ich nicht allzu gutes Material für den Austausch der Säckchen und der Händler wird misstrauisch und wir machen uns schnell aus dem Staub.
Leider verhält sich Will sehr auffällig und dazu noch sehr behäbig, was die Flucht zu unseren Ungunsten verlangsamt aber nicht vollends scheitern lässt. Aber letztendlich ist es wieder die verschmähte Liebe, in Form einer weiteren Begegnung von Borogarn und Foraie, weil er dann anhält und sie in einer "innigen und intimen" Unterhaltung mit Lord Herst stört. Das ist Borogarn vermutlich gar nicht aufgefallen, hat er doch nur Augen für Lady Foraie, hatte sie ihm nicht ein Date versprochen? Den Namen von ihrem Liebha...äh Gesprächspartner erhaschen wir aber nur aus der Unterhaltung, er ist uns nicht bekannt, stellt sich später aber noch als Halbbruder von ihr heraus. Blöderweise fallen wir dann auf den alten Gaunertrick rein: "Kommt schnell hier lang, wir helfen euch...!" und die beiden führen uns in einen Hinterhalt, was nun in dieser Befragung geendet ist. 

Die Frage steht nun im Raum, was mit uns geschehen soll, da der Händler Ainger Strowar unter dem Schutz von Lord Fost steht. Und dass er Lord genannt wird, zeigt schon seinen deutlichen Stellenwert dieser Person, der wir in die Quere gekommen sind. Wir bieten unsere Dienste an, das braucht wohl Überlegung, denn der Lord weist Gorn an, uns in den Keller zum "Frischmachen" zu bringen. Gorn ist ein enger Vertrauter und wohl die rechte Hand von Lord Fost, und wenn mich meine Menschenkenntnis nicht trügt, ist er dem Lord treu ergeben und der Mann fürs Grobe. Denn als Borogarn von seiner Begegnung mit Lady Foraie erzählt und als sie dann in Persona in der Gruppe neben ihrem Vater erschienen ist, fiel ihm nichts besseres ein, als sie als "Granate" zu bezeichnen, was für eine gewisse Spannung und Blicke sorgte und Gron eigentlich nur auf ein Zeichen von Lord Fost gewartet hat, Borogarn (mit Freuden) irgendetwas abzuschneiden. Gorn war am Anfang auch sonst schon in der Gruppe auffällig, da er als einziger auch neben dem Lord gesprochen hat, meistens zwar so etwas wie uns gleich zu töten, schlagen, züchtigen oder sonstige "angenehme" Sachen anzutun, aber ein Wortführer der Anderen.
Da Gorn bei der Übertragung der Aufgabe leicht gegrinst hat, war mir schon klar, dass das "Frischmachen" vermutlich nichts mit den Dingen vor oder nach dem Sex zu tun hat. Wir werden von ihm in eine Art Verlies geführt bzw. gestoßen, dabei stürze ich auf der Treppe, aber Borogarn (zum Glück der Starke) kann mich auffangen, so dass ich zumindest hier unverletzt bleibe. Allerdings endet der Gang in einer Art Käfig, in den wir eingesperrt werden, Gorn mit einem fiesen Lachen nach oben verschwindet und er dann einen Hebel betätgigt, woraufhin der Käfig langsam mit Wasser (aus dem nicht ganz so sauberen Fluss) geflutet wird... Jetzt wird es frisch (und dreckig)! Wir müssen schnell handeln und hoffen, dass der Wasserspiegel nicht bis zur Decke anschwillt...

 

2. Spieltag (26.06.2026)

 (aufgezeichnet von Borogarn)

Heute wäre ich beinahe ersoffen.

Nicht im Kampf gegen einen Drachen. Nicht mit einem Schwert in der Hand. Nein. In einem beschissenen Gang, der sich langsam mit Wasser füllte. Hätte mir vorher einer gesagt, dass ich mal gegen Wasser kämpfen muss, hätte ich ihn ausgelacht. Am Anfang war es gar nicht so schlimm. Das Wasser stand uns nur bis an die Knöchel. Ich dachte mir noch: Wird schon wieder aufhören. Wasser läuft schließlich meistens irgendwo hin. Tat es aber nicht. Es stieg immer weiter. Tamara schaute irgendwann nicht mehr so gelassen wie sonst. Kranier wurde ebenfalls etwas schneller. Keiner von beiden sagte viel, aber ich merkte, dass ihnen die Sache nicht gefiel. Wenn Tamara anfängt nachzudenken und Kranier plötzlich keine Zeit mehr hat, im Schatten herumzustehen, dann sollte man wohl ebenfalls aufmerksam werden. Ich hätte das natürlich auch irgendwann gemerkt. Will dagegen stand neben mir und schaute genauso ratlos wie ich. Der Unterschied ist bloß, dass ich wenigstens nicht so tue, als hätte ich die Weisheit mit dem Löffel gefressen. Der Kerl erzählt ständig von seinen Reisen und davon, was er alles weiß. Und dann verliert er später fast gegen ein Stück Seil. Manche Leute sollten einfach weniger reden. Tamara hatte jedenfalls schnell einen Plan. Sie forderte Kranier auf, ihr in die Oberweite zu greifen. Ich hob erst eine Augenbraue und dachte: Dem Kerl geht's heute aber gut. Dann zog er ein paar Dietriche hervor. Frauen überraschen mich immer wieder. Vor allem hübsche Frauen. Während Kranier sich daran machte, das Schloss zu öffnen, schaffte Will etwas, das ich bis heute für unmöglich gehalten hätte. Der Kerl wickelte sich mit seinen eigenen Fesseln komplett ein. Nicht nur das. Er schaffte es auch noch, sich am Eisengitter festzuhaken. Ich musste wirklich grinsen. Wenn man es schafft sich selbst zu fesseln, braucht man eigentlich gar keine Feinde mehr. Tamara öffnete schließlich meine Fesseln. Endlich. Meine Hände konnten wieder das tun, wofür sie geschaffen wurden. Ich nahm Anlauf und rammte das Gitter mit meiner ganzen Kraft. Es krachte. Einer der Scharniere gab sogar nach. Ich wusste sofort, dass ich es fast geschafft hatte. Blöderweise stieg das Wasser schneller, als ich ein zweites Mal Anlauf nehmen konnte. Während ich noch überlegte, ob ich einfach noch fester dagegenlaufen sollte, bat Tamara mich, ihre Fesseln zu lösen. Natürlich half ich ihr. Oder besser gesagt… Ich versuchte es. Sie hatte mittlerweile einen guten Teil ihrer Kleidung geöffnet, damit Kranier an die Dietriche kam. Da wurde das Denken etwas schwieriger. Ich konzentrierte mich wirklich. Ehrlich. Aber wenn eine schöne Frau so dicht vor einem steht, schweifen die Gedanken eben manchmal ab. Kranier arbeitete währenddessen einfach weiter. Kein Fluchen. Kein Gejammer. Kein großes Gerede. Er stand einfach am Schloss, fummelte ein bisschen daran herum und versuchte sein Glück. Ich habe keine Ahnung, wie er das macht. Ich könnte so etwas nie. Muss ich auch nicht. Ich brauche keine Dietriche, wenn ich eine Tür einfach eintreten kann. Jeder hat eben seine Stärken. Will versuchte sich inzwischen immer noch aus seinen Fesseln zu befreien. Ich glaube sogar, irgendwann hatte er mehr Knoten im Seil als vorher. Wie das überhaupt möglich ist, werde ich wohl nie verstehen. Gerade als ich erneut gegen das Gitter rennen wollte, hörte ich ein metallisches Klacken. Kranier hatte den Riegel geöffnet. Ein guter Mann. Er sagt zwar kaum etwas, aber wenn er arbeitet, kommt meistens auch etwas dabei heraus. Ich schob Tamara als Erste durch die Tür. So gehört sich das. Danach drückte ich mich selbst hindurch. Will stand natürlich wieder im Weg. Ich musste ihn ein wenig gegen die Wand drücken, um vorbeizukommen. Sein Gesicht lief dabei ziemlich rot an. Er sollte vielleicht öfter mal etwas essen. Oder weniger im Weg stehen. Kaum waren wir durch die Tür, entdeckte Kranier einen Hebel an der Decke. Ich hatte den gar nicht gesehen. Er zog den Hebel und es hörte auf, dass Wasser in den Gang ströhmte. Über uns bewegte sich ein schwerer Deckel. Die anderen schauten alle nach oben. Ich trat einfach davor. Irgendwer musste den schließlich öffnen. Die anderen gingen zur Seite. Wahrscheinlich wollten sie nicht unter meinen Armen stehen, wenn ich arbeite. Als der Deckel aufschwang, konnte ich nur den Umriss einer Gestalt erkennen. Nicht viel Zeit zum Nachdenken. Also schlug ich zu. Ein sauberer Schlag gegen das Knie beendet viele Kämpfe, bevor sie überhaupt anfangen. Leider traf ich nicht richtig. Nur gestreift. Im selben Augenblick hörte Kranier einen weiblichen Schreckensruf. Da wusste ich, dass ich wohl keine Wache erwischt hatte. Nun ja. Wer über einer Falltür steht, muss damit rechnen, dass jemand herauskommt. Wir kletterten nach oben. Der Raum war alt. Vergammelt. Überall standen Kisten herum. Es roch nach feuchtem Holz und Staub. Vor mir stand die Foraie. Ich packte sie sofort und drückte sie gegen die Wand. Ich war wütend. Sie schrie vor Schmerz auf. Erst da bemerkte ich den Bolzen, der tief in ihrem Rücken steckte. Vielleicht hätte ich etwas sanfter sein sollen. Vielleicht aber auch nicht. Als ich sie losließ, sackte sie direkt nach vorne. Ich fing sie auf. Sie war leichter, als sie aussah. Und hübscher. Tamara war sofort neben uns. Sie untersuchte die Wunde. Ich verstehe von solchen Dingen nichts. Für mich sieht Blut meistens einfach nach Blut aus. Tamara erkennt dagegen sofort, was kaputt ist und was noch funktioniert. Ist schon praktisch. Würde ich natürlich niemals laut sagen. Sie würde sich am Ende noch etwas darauf einbilden. Foraie erklärte uns mit schwacher Stimme, wir müssten durch den Gang fliehen und sie zu einem Heiler namens Tarin bringen. Klang nach einem Plan. Besser als hier zu bleiben und wieder zu ersaufen. Ich hob sie einfach auf meine Arme. War einfacher, als sie laufen zu lassen. Außerdem konnte sie sich so ausruhen. Und ehrlich gesagt… ...störte es mich nicht besonders. Kaum hatte ich Foraie auf den Armen, wurde es schon wieder ungemütlich. Kranier hatte inzwischen die Tür geöffnet, gegen die ich mich geworfen hatte. Dahinter führte eine Leiter nach oben. Natürlich fand Kranier die Leiter. Der Mann findet alles. Schlüssel. Hebel. Schlösser. Wahrscheinlich würde er selbst in der Wüste noch eine Münze im Sand entdecken. Während wir noch überlegten, wie wir weiterkommen, legte Will plötzlich den Kopf schief. „Da kommen Schritte." Ich war erst überrascht. Dann fiel mir ein, dass er tatsächlich ganz gut hören kann. Hilft ihm zwar nicht gegen Seile, aber jeder hat wohl irgendeine Gabe. Kurz darauf hörten wir sie alle. Zwei Männer. Sie kamen die Treppe herunter und suchten nach Foraie. Ich musste nicht lange überlegen. Sobald der erste durch die Tür trat, warf ich mich mit meinem ganzen Gewicht dagegen. Es krachte gewaltig. Die Tür flog ihm direkt gegen die Brust. Der Kerl schnappte nach Luft wie ein Fisch auf dem Trockenen. Ein schöner Anblick. Manchmal braucht man eben gar kein Schwert. Eine ordentliche Tür reicht völlig. Während die beiden Frauen weiter in den Gang liefen, blieb ich an der Tür stehen. Es passierte nicht, keiner wollte den ersten Schritt machen. Also schug ich die Tür wieder zu und lehnte mich mit meinem ganzen Gewicht dagegen. „Will! Hol Kisten!" Er schaute mich erst an, als hätte ich ihn gebeten, ein Buch zu schreiben. Manchmal frage ich mich wirklich, ob der Mann, als Gott die Intelligenz vergab, sich wieder irgendwo mit einem Seil verhäddert hatte. „Na los!", brüllte ich. Das half. Will fing an, Kisten heranzuschleppen. Nicht besonders schnell. Aber immerhin bewegte er sich. Ich glaube, manche Leute brauchen einfach eine kräftige Stimme, damit sie verstehen, was zu tun ist. Währenddessen arbeitete Kranier oben weiter an der Luke. Ganz ruhig. Als würde hinter uns nicht gerade jemand versuchen, durch die Tür zu brechen. Ich weiß nicht, wie er das macht. Mich würde das nervös machen. Ihn scheinbar nicht. Nach einiger Zeit hörte ich duch den Gang nur ein „Offen". Mehr nicht. Das ist typisch für Kranier. Andere würden erst erzählen, wie schwierig das Schloss war. Kranier macht es einfach auf. Will schleppte inzwischen endlich Kisten heran. Ich stellte sie vor die Tür. Je mehr davorstanden, desto besser gefiel mir der Plan. Holz hält schließlich auch etwas aus. Als wir alle kurz innehielten und lauschten, hob Will plötzlich wieder den Kopf. „Sie laufen weg." Ich lauschte ebenfalls. Tatsächlich. Keine Schritte mehr. Vielleicht hatte die Tür ihnen gereicht. Oder sie hatten Angst bekommen. Kann ich ihnen nicht verdenken. Will verkeilte die Tür zusätzlich noch mit einer Tischplatte. Endlich hatte er mal etwas gemacht, ohne sich dabei selbst festzubinden. Währenddessen drückten Tamara und Kranier Foraie Stück für Stück die Leiter hinauf. Ich blieb als Letzter zurück. Falls doch noch einer durch die Tür brechen sollte, würde er zuerst mich sehen. Das erschien mir nur fair. Als schließlich auch Will oben angekommen war, schloss ich das eiserne Gitter hinter uns mit dem Schlüssel ab. Dann brach ich den Schlüssel einfach im Schloss ab. So konnte uns niemand mehr folgen. Zumindest nicht durch diese Tür. Manchmal muss man Probleme eben endgültig lösen. Ich glaube, Tamara wollte gerade etwas dazu sagen. Tat sie aber nicht. War vermutlich auch die bessere Entscheidung. Ich nahm Foraie wieder auf meine Arme. Sie war inzwischen kaum noch bei Bewusstsein. Der Bolzen in ihrem Rücken gefiel mir überhaupt nicht. Nicht, weil ich wusste, wie schlimm so etwas ist. Davon verstehe ich nichts. Aber ich weiß, dass Menschen mit großen Löchern im Körper meistens nicht lange leben. Also trug ich sie und drängte die Anderen zur Eile. Will führte uns durch die Gassen. Zum Glück wusste er tatsächlich, wo dieser Tarin wohnte. Ich hätte wahrscheinlich einfach die größte Tür der Stadt gesucht und dort angeklopft. Unterwegs kamen wir unter einer alten Brücke hindurch. Plötzlich blieb Will stehen. „Ein Pfiff." Ich hörte ihn erst einen Augenblick später. Dann trat ein Mann aus dem Schatten. Will reagierte sofort. Er wollte den Kerl einfach in den Fluss werfen. Ein guter Plan. Leider fehlt es ihm nicht nur an Gribs, Tacktgefühl, Muskeln und an Seilkunst, sondern auch an Zielgenauigkeit. Ja es war dunkel, aber komm schon, er war nicht einmal in der Nähe unseres Gegners, als er versuchte Ihn zu schubsen. Der Fremde blieb stehen. Noch bevor ich Foraie richtig absetzen konnte, war Kranier schon verschwunden. Oder zumindest glaubte ich das. Im nächsten Augenblick stand er vor dem Mann. Ein kurzer Stoß. Sein Dolch fuhr von unten durch den Schädel. Der Kerl verdrehte die Augen. Seine Zunge hing heraus. Dann fiel er mit einem lauten Platschen in den Fluss. Kranier wischte seinen Dolch einfach sauber. Als hätte er gerade ein Brot geschnitten. Ich glaube, ich habe noch nie jemanden gesehen, der so ruhig tötet. Gut, dass er auf unserer Seite steht. Den Gedanken würde ich ihm natürlich niemals sagen. Sonst wird er am Ende noch eingebildet. Als wir weiterliefen, bemerkte ich, dass sich der Bolzen in Foraies Rücken bei jedem Schritt bewegte. Das gefiel mir gar nicht. „Tamara." Mehr musste ich gar nicht sagen. Sie verstand sofort. Sie stabilisierte den Bolzen, dass wir weiterlaufen konnten. Sie weiß bei solchen Dingen einfach, was sie tut. Ich weiß dafür, wie man jemanden bewusstlos schlägt. Ich finde, das gleicht sich ganz gut aus. Will erzählte unterwegs noch etwas über Tarin. Er sei ein großartiger Heiler, würde sich aber hin und wieder mit allerlei zwielichtigen Gestalten einlassen. Das war mir ehrlich gesagt egal. Solange der Mann Löcher schließen konnte, interessierte mich nicht, mit wem er sein Bier trank. Und Foraie hatte ein ziemlich großes Loch. Will führte uns schließlich durch ein paar enge Gassen bis an die Stadtmauer. Ich hätte den Weg nie gefunden. Die Gassen sahen für mich alle gleich aus. Zum Glück wusste Will ausnahmsweise, wovon er sprach. Das kommt auch mal vor, aber eher selten. Vor einem kleinen Haus blieb er stehen. Über der Tür hing ein Schild, auf dem sich eine Schlange um einen Stab wand. Ich kenne mich mit Heilerzeichen nicht aus. Für mich sah es einfach nach einer Schlange aus. Will meinte, wir seien richtig. Also klopfte ich gegen die Tür. Nicht zaghaft. Wenn jemand einen Heiler braucht, hat man keine Zeit für höfliches Getippe. Nach kurzer Zeit öffnete sich eine kleine Klappe. Eine ältere Frau schaute heraus und fragte ziemlich mürrisch, was wir wollten. Ich wollte gerade antworten, da fiel ihr Blick auf Foraie in meinen Armen. Die Klappe ging wieder zu. Ich dachte schon, sie würde uns einfach stehen lassen. Frauen können manchmal wirklich merkwürdig sein. Kurz darauf öffnete sich die Tür. Ein kleiner, ziemlich exotisch aussehender Mann bedeutete uns hereinzukommen. Er war bestimmt zwei ganze Köpfe kleiner als ich. Wahrscheinlich sogar mehr. Drinnen roch es nach Kräutern. Überall standen Fläschchen, Tiegel und Bündel mit getrockneten Pflanzen. Für mich sah das aus wie das Vorratslager eines Kaninchens. Tamara dagegen schaute sich aufmerksam um. Ich glaube, sie hätte dort den ganzen Tag verbringen können. Wir brachten Foraie in einen Behandlungsraum. Kurz darauf betrat ein großer Mann in einer blauen Robe den Raum. Das musste Tarin sein. Er schaute sich die Wunde nur kurz an. Mehr brauchte er wohl nicht. Nach einem kurzen Gespräch erklärte er sich bereit, Foraie zu helfen. Garantieren könne er allerdings nichts. Das gefiel mir nicht. Ich mag keine Antworten wie "vielleicht". Entweder etwas klappt oder eben nicht. Aber vermutlich funktionieren Heiler anders als Krieger. Kranier machte sich sofort an Foraies Rüstung. Mit ruhigen Bewegungen schnitt er die Nähte auf. Sauber. Ohne die Haut zu verletzen. Ich hätte vermutlich einfach die ganze Rüstung aufgebrochen. Das wäre schneller gegangen. Vielleicht auch nicht besser. Als die Rüstung geöffnet war, fiel uns auf, dass Foraie an den merkwürdigsten Stellen kleine Schlüssel versteckt hatte. Ich musste grinsen. Frauen verstecken wirklich alles in ihrer Kleidung. Man weiß nie, was man findet. Schließlich lag Foraie nackt auf der Liege. Ich wäre ein Lügner, würde ich behaupten, dass mir das nicht aufgefallen hätte. Sie war wirklich hübsch. Trotzdem tat sie mir leid. So einen Bolzen im Rücken wünsche ich niemandem. Außer vielleicht Lord Fost. Oder den beiden Kerlen, die uns verfolgt hatten. Tarin schob zwei Metallstücke in die Wunde. Ich verzog kurz das Gesicht. Das sah selbst für mich schmerzhaft aus. Er erklärte irgendetwas von Widerhaken. Ich verstand nur die Hälfte. Reichte auch. Solange am Ende keiner starb. „Halte sie fest." Endlich etwas, das ich verstand. Ich stellte mich vor Foraie und hielt sie aufrecht fest. Vorsichtig. Na ja… So vorsichtig, wie ich eben sein kann. Währenddessen zog Kranier langsam den Bolzen aus ihrem Rücken. Ganz ruhig. Millimeter für Millimeter. Ich hätte vermutlich einmal kräftig gezogen. Kranier meinte wohl, das sei keine gute Idee. Deshalb ließ ich ihn machen. Man muss nicht alles selbst können. Man muss nur wissen, wer es besser kann. Natürlich würde ich das niemals laut sagen. Der Bolzen kam schließlich heraus. Er war größer, als ich gedacht hatte. Kein Wunder, dass sie kaum noch stehen konnte. Tarin trug anschließend irgendeinen magischen Heiltrank direkt auf die Wunde auf. Ich erwartete eigentlich, dass sie schreit. Tat sie aber nicht. Stattdessen begann sich die Wunde tatsächlich langsam zu schließen. Ich starrte eine ganze Weile darauf. Magie bleibt für mich ein Rätsel. Ein Schwert verstehe ich. Eine Axt auch. Aber irgendein leuchtender Trank, der Fleisch einfach wieder zusammenwachsen lässt… Die Götter haben sich wirklich seltsame Dinge ausgedacht. Tamara bekam den Auftrag, Foraie in der nächsten Stunde regelmäßig einen Stärkungstrank einzuflößen. Sie nickte nur. Ich glaube, Tarin merkte sofort, dass sie wusste, wovon er sprach. Ich hätte wahrscheinlich nach dem dritten Fachbegriff schon nicht mehr zugehört. Als Tarin schließlich den Verband anlegte, sah Foraie schon deutlich besser aus. Er nickte zufrieden. „Sie wird leben." Das waren die ersten Worte an diesem Abend, die mir wirklich gefielen. Anschließend wurde Tarin wieder ernst. Er meinte, zwei Männer seien hinter uns her. Um die sollten wir uns kümmern. Er habe bereits viel in Lady Foraie investiert und wolle sie nicht gleich wieder verlieren. Das konnte ich verstehen. Niemand steckt so viel Arbeit in jemanden, nur damit irgendein Halunke alles wieder kaputt macht. Also fragten wir nach Waffen. Bevor ich überhaupt sagen konnte, dass ich ein ordentliches Breitschwert wollte, grinste Will schon. „Gebt ihm doch einfach eine Tür." Die anderen lachten. Ich verstand nicht ganz warum. Die Tür vorhin hatte schließlich hervorragend funktioniert. Vielleicht probiere ich das wirklich irgendwann aus. Ein Bediensteter brachte schließlich mehrere Waffen. Kranier bekam sein Kurzschwert zurück. Ich glaube, der Mann fühlt sich mit einer kleinen Klinge wohler als ich mit einem ganzen Waffenständer. Will erhielt seinen Bogen und einen Köcher voller Pfeile. Passt zu ihm. Er trifft lieber aus der Ferne. Ich schaue meinen Gegnern lieber dabei in die Augen. Ich bekam endlich mein Breitschwert. Als ich das Gewicht in der Hand spürte, fühlte ich mich gleich wieder vollständig. Ein Mann ohne Schwert ist irgendwie nur ein halber Mann. Unsere Dolche bekamen wir ebenfalls zurück. Danach fragten wir Tarin noch nach Lord Fost. Je mehr wir hörten, desto weniger gefiel mir dieser Kerl. Er herrschte über den Hafen. Verdiente sein Gold mit Schutzgeldern. Half Händlern gegen Bezahlung durch irgendwelche Schlupflöcher. Und wer nicht zahlte, bekam vermutlich Ärger. Solche Männer kenne ich. Sie glauben, Geld macht sie stark. Ich finde immer noch, Muskeln sind verlässlicher. Als wir schließlich alles wussten, setzten wir uns zusammen und schmiedeten einen Angriffsplan. Ich ließ die anderen reden. Tamara denkt bei solchen Dingen weiter als ich. Kranier erkennt Möglichkeiten, die ich gar nicht sehe. Und Will… ...nun ja… ...Will hatte bestimmt auch irgendetwas zu sagen. Ich wartete eigentlich nur auf den Teil des Plans, an dem ich mit meinem Schwert zuschlagen durfte. Das ist schließlich der Teil, in dem ich am besten bin.

 

 

3. Spieltag (02.07.2026)

 (aufgezeichnet von Will Scharlach)

Wir erfahren von Joon, dass die zwielichtigen Typen, die nach uns gefragt haben, gesagt haben, dass Lord Fost getötet worden sei und wir die Täter seien, auf die ein Kopfgeld ausgesetzt wurde. Fragt such, wer dieses Kopfgeld ausgesetzt hat, wahrscheinlich derselbe, der Lord Fost tatsächlich getötet hat und nun einen Sündenbock. Joon hatte uns ja erzählt, dass Lord Fost zwei Söhne hat, Herst und Ender. Herst hatten wir ja wie auch Lady Foraie bei Lord Fost gesehen, aber von Ender hörten wir tum ersten Mal. Hat er was damit zu tun? Klar ist nur, dass die Bezahlung von Lady Foraies Behandlung nun in den Sternen steht, zumindest wird ihr Vater das kaum übernehmen können. Ich habe die dumpfe Vorahnung, dass das an uns hängen bleibt und wir noch eine Weile in der Schuld dieses Tarin stehen. Und das nur wegen der Unbeherrschtheit Borogarns, die ihn dazu trieb, ihr den Bolzen noch tiefer in den Rücken zu treiben.

Wir beobachten die Gegend aus dem Fenster im oberen Stock, am Ende der Gasse liegt ein nicht besonders hoher Turm, der wohl nachts nicht besetzt ist, wie wir vermuten. Von den beiden Schurken ist nichts genaues zu sehen, aber wir vermuten, dass sie noch da sind, da ich eine Bewegung bemerkt habe. Wir beratschlagen, was wir tun können. Wir wissen nicht, wie viele tatsächlich hier sind, wo sie sind und was sie genau vorhaben. Die Idee, über den Turm auf die Stadtmauer zu gelangen, wird schnell verworfen, da die Häuser inzwischen über und auf die Stadtmauer gebaut worden sind und man ohne zu klettern auf diesem Weg nicht weit kommen würde.

Wir entscheiden uns für den Nutten-Plan. Borogarn und Kranir gehen heimlich voran, um den Weg zu sichern, ich folge ebenso mit dem Bogen und schließlich verlässt Tamara gar nicht heimlich das Gebäude und versucht den Eindruck zu erwecken, nach getaner horizontaler Arbeit den Heimweg anzutreten. Sie soll als Unbeteiligte auskundschaften, wieviele Gegner wir nun wirklich haben.

„Hey, Kleines“ hören wir und Tamara lockt den Wortführer aus dem Dunkeln. Sein Begleiter allerdings erkennt Tamara, er war wohl bei unserer Befragung zugegen und weiß, dass sie auch ersäuft werden sollte. Es kommt schneller zum Kampf als geplant. Dummerweise ist dieser Kerl auch verdammt schnell und hat Tamara den Dolch an die Kehle gepresst, bevor sie reagieren konnte, doch kann sie sich genau so schnell wieder losreißen. Der andere versucht einen Angriff und versagt. Ich stürme bei den Geräuschen nach vorn, sehe aber nur 3 dunkle Gestalten und warte erst mal ab, was da genau passiert. Kranir geht zielsicher zum Kampf und Baragorn möchte sich Eindruck heischend hinzubegeben, doch die schüchternen Piepstöne, die er von sich gibt, haben eher die gegenteilige Wirkung.

Kranir hat den gefährlicheren Gegner schwer mit dem Kurzschwert an der linken Schulter erwischt. Der andere Gegner sticht nach Tamara, die ausweichen kann. Baragorn trifft ihn dafür schwer mit seinem Schwert ins linke Bein. Ich kann zwar kaum etwas erkennen, schieße aber dennoch und treffe tatsächlich einen Gegner an einer besonders gefährlichen Stelle.

Ich lade nach während Tamara abwartet. Kranir haut seinem Gegner fast die linke Hand ab und er bricht zusammen. Baragorn teilt seinem Gegner einen schweren Hieb am linken Arm aus. Schwer verletzt versucht er Baragorn zu erwischen und versagt.

Kranir versucht, den einzigen stehenden Gegner anzugreifen, kommt aber nicht an ihn heran, versucht aber, ihm den Weg abzuschneiden. Tamara sieht nach dem liegenden Gegner, dieser lebt, aber ohne Hilfe nicht mehr lange. Ich nähere mich dem Geschehen, um dem möglicherweise Fliehenden hinterher schießen zu können. Dieser versucht taumelnd zu entkommen, Baragorn stürmt aber hinterher und tötet ihn mit einem mächtigen Hieb.

Tamara versucht den Schwerverletzten zu stabilisieren. Kranir und ich schauen uns um, wir sehen aber keine Zeugen. Baragorn und Kranir versuchen die Leiche zu verstecken und beide Gegner werden durchsucht. Die beiden haben zusammen immerhin 48 Silberstücke dabei. Tamaras Stabilisierungsversuche waren erfolgreich. Wir erkennen an der Hand des einen einen Ring, den Baragorn für wertlosen Tand erachtet und wegwirft. Tamara und ich erkennen aber, dass dieser Ring zum einen einen grünen Edelstein enthält und zum anderen noch vor kurzem an der Hand Lord Fosts prangte. Da Lord Fost wohl kaum seine Ringe großzügig verschenkt hat, muss dieser Knilch wohl bei seinem unfreiwilligen Vorruhestand mitgewirkt haben.

Tamara beginnt die Befragung von Kalf. Anscheinend hat Herst nun das Kommando. Kalf rät uns, sich ihm anzuschließen. Herst hat wohl auch selbst auf Lady Foraie geschossen und Ender steht auch auf der Abschussliste. Herst will wohl seine ganze Familie entsorgen um seine Position zu sichern. Sein neues Hauptquartier ist das alte Haus des Hafenlords, wir kennen es zur Genüge, vor allem die unteren Stockwerke. Ich frage ihn, wie sein Angebot, für uns ein gutes Wort bei Lord Herst einzulegen, damit zusammen passt, dass auf uns ein Kopfgeld ausgesetzt wurde, da wir angeblich die Mörder von Lord Fost seien. Angeblich wäre das nur behauptet worden, um Lord Ender aus seinem Versteck zu locken. Uns erscheint Lord Ender als zukünftiger Auftraggeber deutlich angenehmer als dieser skrupellose Lord Herst.    

Wir unterhalten uns kurz ohne den Gauner und kommen überein, dass wir uns nicht Lord Herst anschließen wollen und uns an Lady Foraie halten. Unter den Protesten von Kalf lehnen wir sein Angebot ab und Borogarn beendet das Gespräch mit seinem Dolch. 

Jida kam auch dazu und bietet uns an, sich um die Sache zu kümmern und wir gehen zurück ins Haus, um nach Lady Foraie zu sehen. Diese sitzt auf der Bettkante in ihrer Unterwäsche. Dieser Anblick ist ziemlich überwältigend und wir Männer werden von Ulina hinaus gescheucht. Tamara bleibt bei ihr um ihr beim Ankleiden der Rüstung zu helfen und mit ihr zu sprechen. Wir kommen wieder dazu, nachdem sie bekleidet ist. 

Ich schlage ihr vor, sich mit ihrem Bruder zusammen zu tun, um gemeinsam gegen Herst vorzugehen. Sie hat sich das auch schon gedacht. Ihr Vater hatte wohl eine brutale, wahnsinnige Ader, die Herst geerbt hat. Lady Foraie weint ihrem Vater keine Träne nach. Sie kennt einen Ort, an dem wir uns für ein paar Tage zurückziehen können. Tarin kommt dazu und spricht die offenen Posten der Rechnung an und dass er sich mit Lady Foraie in einer Woche darüber unterhalten möchte. Meine Befürchtung, dass wir möglicherweise dabei eine Rolle spielen werden, vergrößert sich. Zudem sollen wir die geliehenen Waffen zurückgeben, womit jeder von uns gerade Mal einen erbeuteten Dolch zurück behält. Wir sollten wirklich irgendwie wieder an unsere Ausrüstung kommen, die jedoch im neuen Hauptquartier liegt.

Lady Foraie führt uns durch Hintergassen in den nordöstlichen Teil der Stadt, außerhalb der Stadtmauer. Es ist nicht gerade die beste Wohngegend, eher das Gegenteil, ein dörfliches Armenviertel neben den Gerbereien. Sie möchte zwar mit Lord Ender reden, hat aber Vorbehalte, da sie nicht seine Untergebene werden möchte. Sie befürchtet zudem, dass Herst eine Ratte bei Enders Männern hat. Sie schlägt vor, dass wir bei Ender auftauchen und vor allen behaupten, dass sie tot sei. Das würde die Ratte zum Aufbruch bringen und einer von uns könnte ihn verfolgen. Wir sollten aber Ender danach die Wahrheit sagen und ihm als Erkennungszeichen davon erzählen, wie er sie als Kind vom Dach gerettet hat.

Lady Foraie zeigt uns unsere neue Unterkunft und lädt uns zu Pimmeln ein. Diese kann man mit Klöten oder mit alter Jungfer essen. Es entpuppt sich als kleine Würstchen mit verschiedenen Arten von Brot. Dazu trinkt man Nordbier. Eine heiße, aromatische, leicht bittere Brühe. Borogarn und ich trinken lieber Südbier, eine ganz gutes Bier, das aber in winzigen Hörnchen serviert wird. Die Würstchen schmecken ganz lecker, sind aber irgendwie schwer einzuordnen. Es ist wohl Fleisch dabei, aber unbekannter Herkunft, und weitere, noch unklarere tierische Erzeugnisse, gut gewürzt um alles zu überdecken. Man sollte wohl besser nicht darüber nachdenken oder es gar nicht essen. Ich esse sie jedenfalls ohne mir groß einen Kopf zu machen, was mir nicht besonders schwer fällt. Ich bestelle sogar noch eine Portion.

Kranir versucht in unsere Unterkunft zu gelangen, die ja nicht weit entfernt liegt, und unsere sperrigeren Gegenstände wie meinen Bogen und meinen Kampfstab zurück zu holen. Er bringt alles glücklich zurück, nur Borogarn hatte seine Waffen dabei und sie liegen nun im Hauptquartier Hersts.

Der weitere Plan: Tamara und ich gehen zu Lord Ender. Kranir ist der Rattenfänger, er soll aber nur herausfinden wer es ist. Wir geben die Information an Ender weiter, sobald wir sie haben. Herst wird Ender einladen und eine Falle stellen wollen. Der Plan ist, dass am Ende Ender und Foraie als gleichberechtigte Partner die Familie anführen.

Wir haben noch Eindrücke davon, wie Lady Foraie auf Borogarn anspringt. Seiner Meinung nach frisst sie ihm aus der Hand. Meiner Meinung nach würde nicht mal ein ausgehungerter Hund einen Knochen von ihm nehmen. Kranir versteht Frauen sowieso nicht und was Tamara davon hält oder weiss, steht in den Sternen.